Obwohl dieses Buch bereits 2021 erschienen ist, hat es nichts von seiner Relevanz eingebüßt. Drei Therapeuten mit umfassender Erfahrung in der Palliativmedizin geben einen anschaulichen und gut verständlichen Einblick in die Grundlagen dieses zunehmend wichtigen Fachgebiets. Dabei gehen sie gezielt auf die Besonderheiten der homöopathischen Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen ein.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Fallaufnahme, die in der Palliativsituation häufig weniger durch gezieltes Fragen als vielmehr durch aufmerksames Beobachten geprägt ist. Um die entscheidenden Symptome wahrzunehmen und richtig einzuordnen, braucht es ein geschultes Auge und therapeutische Erfahrung. Die Autoren stellen die typischen Beschwerden am Lebensende systematisch dar und erläutern die jeweils infrage kommenden homöopathischen Arzneimittel mit ihren charakteristischen Unterscheidungsmerkmalen. Das Spektrum reicht von Kachexie, depressiven Verstimmungen und Schlafproblemen über Atemnot, Obstipation und Übelkeit bis hin zu ausgeprägter Angst und innerer Unruhe.
Im Mittelpunkt steht eine überschaubare Auswahl von knapp 20 homöopathischen Arzneimitteln, die in einer ausführlichen Materia medica differenziert beschrieben werden. Anhand eindrücklicher Fallbeispiele veranschaulichen die Autoren ihre therapeutischen Erfahrungen und zeigen, wie die Homöopathie Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten kann – auch ergänzend zu konventionellen Behandlungsmaßnahmen.
Besonders wertvoll sind die praktischen Anregungen für Angehörige, die dabei helfen, die Bedürfnisse sterbender Menschen besser wahrzunehmen und auf sie einzugehen. Eine Besonderheit des Buches sind die arzneimittelspezifischen Hinweise zur Pflege und Begleitung: So werden für Carbo vegetabilis beispielsweise eine eher kühle Raumtemperatur und eine Abdeckung mit einem Seidenschal empfohlen, während bei Tarentula rhythmische Musik als beruhigend beschrieben wird.
Auch die Begleitung der Angehörigen findet angemessene Beachtung. Den Abschluss bildet ein übersichtlich gestaltetes Palliativ-Repertorium, das sich bewusst auf bewährte Rubriken und die wichtigsten Arzneimittel konzentriert und damit eine praktische Orientierungshilfe für den therapeutischen Alltag bietet.
Prof. Dr. rer. nat. Susanne Schnittger
Homöopathie in der Palliativmedizin
Von Claudia Levin, Gisela Holle und Herbert Michalczyk
Narayana Verlag, 2021
248 Seiten, Buch, gebunden
ISBN 978-3-95582-105-0
€ 34
Das 2026 erschienene Buch widmet sich weniger der Homöopathie selbst als vielmehr der Frage, wie ein Sterben in vertrauter häuslicher Umgebung würdevoll und selbstbestimmt gestaltet werden kann. Anhand bewegender Erfahrungen aus der ambulanten Hospizarbeit eröffnet die Autorin einen einfühlsamen Blick auf die letzte Lebensphase und die vielfältigen Herausforderungen, die sie für Sterbende, Angehörige und Begleitende mit sich bringt.
Der Wunsch, die letzte Lebenszeit zu Hause verbringen zu dürfen, ist für viele Menschen von großer Bedeutung. Doch wie lässt sich dieser Wunsch verwirklichen? Wie begegnet man Ängsten, Demenz und der eigenen Hilflosigkeit? Welche Unterstützung ist möglich, und wie gelingt es, ein gutes Gleichgewicht zwischen mitfühlender Nähe und notwendiger Distanz zu finden? Aus ihrem Erfahrungsschatz von drei Jahrzehnten ambulanter Hospizarbeit schöpft die Autorin authentische und berührende Geschichten, die neben den schwierigen Seiten des Abschieds auch überraschend heitere und lebensbejahende Momente sichtbar machen.
Dabei wird deutlich, dass eine gute Begleitung am Lebensende weit mehr umfasst als die Linderung körperlicher Beschwerden. Moderne Palliativmedizin, menschliche Zuwendung und – ergänzend eingesetzt – auch homöopathische Ansätze können aus Sicht der Autorin ineinandergreifen. Ebenso wichtig ist die Selbstfürsorge derjenigen, die Sterbende begleiten, denn auch sie benötigen Unterstützung, um dieser anspruchsvollen Aufgabe langfristig gewachsen zu sein.
Die geschilderten Erfahrungen machen Mut, die letzte Lebensphase nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von Leid und Verlust zu betrachten. Humor, Versöhnung, Liebe und tiefe Verbundenheit können gerade in dieser Zeit einen besonderen Raum erhalten. Es sind die persönlichen Begegnungen und oft unscheinbaren Augenblicke, die den Abschied prägen und in Erinnerung bleiben.
Eine wertvolle Ergänzung bilden die am Ende der Kapitel eingefügten Abschnitte „Gedanken zu …“. Sie greifen wichtige Themen aus der Begleitungspraxis auf und geben konkrete Anregungen unter anderem zu Versöhnung, Suizidwünschen, Bestattungsmöglichkeiten, begleitenden Therapien sowie zur spirituellen und kultursensiblen Betreuung.
„Welch eine Nähe“ ist ein einfühlsames und zugleich praxisorientiertes Buch, das dazu ermutigt, Menschen am Lebensende mit Offenheit, Respekt und Menschlichkeit zu begegnen. Für homöopathisch arbeitende Therapeutinnen und Therapeuten bietet es wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse Sterbender und ihrer Angehörigen und erinnert daran, dass neben therapeutischem Wissen vor allem die achtsame Begleitung zählt. Ebenso empfehlenswert ist es für Angehörige, Hospizhelfende und alle, die Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zur Seite stehen möchten.
Prof. Dr. rer. nat. Susanne Schnittger
Welch eine Nähe – Geschichten, die das Leben schrieb und der Tod beendete
Gisela Holle
Der Hospiz Verlag, Stuttgart 2026
180 Seiten, Softcover
ISBN 978-3-946527-76-3
€ 24,80