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Den letzten Tagen mehr Leben geben

Homöopathische Sterbebegleitung mit Katharina Hafner

Katharina Hafner ist Krankenschwester und homöopathisch arbeitende Heilpraktikerin. Seit vielen Jahren begleitet sie Menschen auf Palliativstationen und in einem Hospiz. Auf Wunsch der Patienten darf sie dort ihre homöopathischen Kenntnisse ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung einbringen. Dabei steht stets das Wohlbefinden der Menschen im Mittelpunkt.

Am 10. Oktober hatten wir das große Glück, von ihren vielfältigen Erfahrungen und persönlichen Begegnungen mit sterbenden Menschen lernen zu dürfen. Es war ein Seminar, das uns nicht nur fachlich bereichert, sondern auch menschlich berührt hat.

Wenn eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist und der Tod nicht mehr aufgehalten werden kann, gewinnt die palliative Begleitung eine besondere Bedeutung. Es geht dann nicht mehr allein darum, Beschwerden zu behandeln, sondern vor allem darum, Lebensqualität zu erhalten, Ängste zu lindern und Menschen auf ihrem letzten Lebensweg liebevoll und würdevoll zu begleiten. Denn das Sterben gehört zum Leben – und ist für jeden Menschen eine ganz individuelle Zeit des Abschieds, des Loslassens und des Wandels.

Wie viel Einfühlungsvermögen, Achtsamkeit und Erfahrung es braucht, um Menschen in dieser Lebensphase beizustehen, wurde im Laufe des Seminars immer wieder deutlich.

Frau Hafner zeigte uns, welche Rolle die Homöopathie in ihrer begleitenden Arbeit spielt. Neben der Unterstützung während laufender schulmedizinischer Therapien oder bei ausgeschöpften Behandlungsmöglichkeiten steht vor allem die Erhaltung der Lebensqualität im Vordergrund. In ihrem Ansatz geht es darüber hinaus darum, Menschen in ihrer individuellen Situation wahrzunehmen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und ihnen in dieser besonderen Zeit Halt und Orientierung zu geben.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit den fünf Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross: Nicht-Wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, depressive Phase und Akzeptanz. Diese können unterschiedliche Reaktionen auf die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben beschreiben, wobei jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg geht. Wir betrachteten, wie sich die jeweiligen emotionalen Herausforderungen in der homöopathischen Fallbetrachtung widerspiegeln und welche Arzneimittel im Rahmen dieses Ansatzes in Betracht gezogen werden.

Auch die Angehörigen dürfen in dieser Zeit nicht vergessen werden. Sie erleben häufig eine große emotionale Belastung, müssen Abschied nehmen und ihren eigenen Umgang mit Trauer und Verlust finden. Deshalb widmeten wir uns ebenso der Frage, wie trauernde Angehörige begleitet und unterstützt werden können.

Neben häufig besprochenen Trauermitteln wie Opium, Aconitum, Natrium muriaticum und Ignatia lernten wir zahlreiche weitere homöopathische Arzneimittel kennen, die in der Praxis bei Beschwerden am Lebensende in Betracht gezogen werden. Dazu gehörten unter anderem Wassereinlagerungen, Dekubitus, Atembeschwerden, Übelkeit, Verwirrtheit und ausgeprägte Trockenheit. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich sich die letzte Lebensphase gestalten kann und wie wichtig es ist, den einzelnen Menschen mit seiner ganz persönlichen Geschichte und Situation wahrzunehmen.

Auch die Frage, wann eine akute, symptomorientierte Begleitung im Vordergrund steht und wann eine konstitutionelle homöopathische Behandlung erwogen werden kann, beschäftigte uns. Die zahlreichen Fallbeispiele von Frau Hafner machten die theoretischen Inhalte lebendig und ermöglichten uns einen unmittelbaren Einblick in ihre langjährige praktische Erfahrung.

Besonders berührend waren ihre authentischen Schilderungen aus dem Alltag mit schwerkranken und sterbenden Menschen. Sie machten deutlich, dass es bei der Begleitung am Lebensende nicht nur um Fachwissen und therapeutische Möglichkeiten geht. Ebenso wichtig sind Präsenz, Mitgefühl, Geduld und die Fähigkeit, auch schwierige Situationen auszuhalten und dem Menschen in seiner Verletzlichkeit zu begegnen.

Am Ende des Seminartages gingen wir mit vielen neuen Impulsen und einer tiefen Wertschätzung für die Arbeit von Katharina Hafner nach Hause. Unsere Hochachtung galt dabei nicht allein ihrer homöopathischen Tätigkeit, sondern ganz besonders auch ihrer pflegerischen Arbeit, die sie mit so viel Liebe, Verständnis und Menschlichkeit ausübt.

Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten, ist eine besondere Aufgabe – anspruchsvoll, emotional und sicher nicht immer leicht. Frau Hafner hat uns eindrucksvoll vermittelt, wie wertvoll es ist, Menschen in dieser Zeit nicht allein zu lassen, ihnen aufmerksam zuzuhören und ihnen mit Würde und Respekt zu begegnen.

Ein herzliches Dankeschön an Katharina Hafner für dieses bereichernde Seminar, für ihre Offenheit und dafür, dass sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben ließ. Wir nehmen nicht nur viele fachliche Anregungen mit, sondern auch die Erinnerung daran, wie wichtig Menschlichkeit und achtsame Begleitung gerade am Ende des Lebens sind.

Susanne Schnittger
Vorständin Homöopathie Forum
Leitung Akademie