ADHS - Heny Heudens Mast
Jenseits der klassischen ADHS-Mittel
ADHS-Seminar mit Henny Heudens-Mast vom 5. bis 6. Februar 2011 in Gauting
ADHS - seit längerer Zeit ein hochaktuelles und brisantes Thema. In der homöopathischen Praxis steht der Therapeut nicht nur vor der anspruchsvollen Aufgabe, das passende Arzneimittel zu finden. Er sieht sich auch mit der Schwierigkeit konfrontiert, in der durch Methylphenidat- und andere Amphetaminpräparate veränderten Symptomatik der jungen Patienten, die auffallenden, sonderlichen und eigenheitlichen Zeichen der gestörten Lebenskraft herauszukristallisieren. Henny Heudens-Mast gab in einem zweitägigen Seminar an der Akademie für Homöopathie in Gauting die Gelegenheit zum Einblick in ihre Herangehensweise an die ADHS-Thematik und half den begeisterten Teilnehmern, das Dickicht bei der Fallanalyse zu lichten.
Die international renommierte und beliebte belgische Homöopathin vermittelte den Teilnehmern anhand zahlreicher, zum großen Teil aus ihrer Supervisionstätigkeit stammenden Videofälle, eine klare Methodik der Fallanalyse.
In vielen der vorgestellten Fälle waren aufgrund des Arzneimittelbildes die klassischen ADHS-Mittel wie Stramonium, Anacardium, Tarentula, Belladonna, Sulfur und Hyoscyamus bereits ohne Erfolg verabreicht worden. Mithilfe klarer Videoanalysen wurde jeweils das maßgebliche Zentrum der Symptomatik herausgearbeitet und aufgezeigt, wie sich das passende homöopathische Arzneimittel finden lässt. Die heilenden Arzneimittel erfüllten dabei überraschend selten die Erwartung an ein typisches Arzneimittel aus der hyperaktiven Reihe. Viele Fälle ließen sich mit eher untypischen Mitteln wie Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Lycopodium, Phosphorus und Carcinosinum lösen und verhalfen den jungen Patienten zur Heilung und damit zur Möglichkeit einer altersgemäßen Weiterentwicklung. ADHS ist eine Erkrankung des frühen Lebensalters und die Dozentin betonte die Wichtigkeit einer guten Behandlung, da hier noch ganze Lebensverläufe positiv beeinflusst werden könnten.
Henny Heudens-Mast legt bei der Wahl des homöopathischen Arzneimittels großen Wert auf die Ähnlichkeit des Kerns der Störung zum Zentrum des Arzneimittels - beispielsweise "Wechselhaftigkeit aus Unzufriedenheit mit allem" bei Calcium phosphoricum und "Wechselhaftigkeit aus Verlangen nach einem Kick" bei Tuberkulinum. Wichtig bei der Auswahl der zu repertorisierenden Symptome seien nicht die gewöhnlichen Auffälligkeiten wie Unruhe, Gewalttätigkeit und Konzentrationsmangel. Die Dozentin forderte ausdrücklich dazu auf, nach individuellen Besonderheiten in dem jeweiligen Krankheitsbild zu suchen. Klare Differentialdiagnosen zu anderen in Frage kommenden Mitteln machten die Arzneimittelverschreibungen schlüssig nachvollziehbar, wobei den Teilnehmern nach jedem vorgestellten Fall vorab ausreichend Zeit zur eigenen Repertorisation gegeben wurde.
Bei der Fallanalyse misst Henny Heudens-Mast dem vorherrschenden Miasma sowohl beim Patienten als auch beim Arzneimittel einen hohen Stellenwert bei. Hierbei bedient sie sich des klassischen hahnemannischen Miasmenmodells mit Psora, Pseudopsora, Sykose und Syphilinie, erweitert um das Krebsmiasma.
Mit ihrer ganzheitlichen Sicht des Flusses der Lebenskraft brachte die Dozentin neue Impulse in die Fallbetrachtung. Laut Henny Heudens-Mast verfügt jeder Organismus über eine bestimmte Menge an Lebensenergie. Diese Energie, so die Dozentin, werde häufig fehlgeleitet, was zu einem Überfluss in einem bestimmten Bereich und zu einem Mangel in einem anderen führe. Dieses Modell lässt sich schlüssig auf die ADHS-Problematik übertragen: Die Lebenskraft konzentriert sich hier zu sehr auf die Bereiche Bewegung, Aggression und Destruktivität während ein Mangel in den Bereichen Konzentration, Kreativität, Entwicklung vorherrscht. Das passende Mittel, so Heudens-Mast, gebe dabei keine neue Energie in den Organismus, sondern lenke lediglich die vorhandenen, fehlgeleiteten Energien um. Durch die Arzneimittelgabe wird die Umverteilung der Energie initiiert und das Gleichgewicht wiederhergestellt, sodass jedem Bereich von nun an die erforderliche Menge an Lebensenergie zur Verfügung stehe.
Ein weiterer wesentlicher Faktor des Verschreibungserfolges der Dozentin liegt in ihrer Fähigkeit des geduldigen Ausharrens bezüglich der Mittelwirkung. Beispiele hinsichtlich Störungen der Heilungsverläufe, Rückfällen durch Akutbehandlungen und zu frühem Arzneimittelwechsel machten die Notwendigkeit der Selbstdisziplinierung des Homöopathen bezüglich der Arzneimittelgaben überdeutlich. Nach einer Arzneimittelgabe - Henny Heudens-Mast zeigte überwiegend Fälle, die mit einer Potenz von C1000 oder höher behandelt wurden - wartet die Dozentin bei genügend Anzeichen einer fortschreitenden Heilung bis zu einem Jahr und länger und lässt sich auch durch scheinbare oder kurzzeitige Rückfälle nicht zu einer vorschnellen Wiederholung des Arzneimittels hinreißen. Zu warten und sich nicht dem Druck des Patienten nach schnellstmöglicher Beseitigung der Symptome zu beugen, sei eine der wichtigsten und schwierigsten Tugenden eines guten Homöopathen, so die Dozentin.
Henny Heudens-Mast verfügt über die bewundernswerte Gabe, die Besonderheiten eines Patienten in seiner jeweiligen Krankheit klar und strukturiert herauszuarbeiten und gab im ausgebuchten Gautinger Seminar ihr Wissen spürbar gerne, lebendig und sehr unterhaltsam an die Teilnehmer weiter. So macht Weiterbildung Spaß.
Ausnahmslos lobenswert ist die Leistung der Akademie für Homöopathie für die Organisation und Durchführung des reibungslos verlaufenden Seminars - da kommt man gerne wieder.
Yvonne Walker
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